Was, wenn „das Internet“ mehr über Ihre eigene Familie weiß als Sie selber? Würden Sie dann nicht auch neugierig werden und anfangen zu recherchieren? – Dem Publizisten und Kommunikationswissenschaftler Wolfgang Dittrich-Windhüfel passierte dies 2017 und begann dann so etwas wie seine private Familiengeschichtsforschung, die ihn in „Online“ verfügbare Matriken-, Gemeindegedenkbücher und die allgemein zugänglichen Presserzeugnisse des 20. Jh. Einblick
nehmen ließ. Über Landes- und Sprachgrenzen hinweg führten seine Recherchen vor allem ins sog. Sudetenland, woher seine Eltern, Großeltern und der größte Teil seiner Verwandtschaft stammen.

Die Ursprungsfamilien des Referenten lebte bis 1946 im nordostböhmischen Dorf Kukus. Über Jahrzehnte hinweg änderten sich Staatszugehörigkeiten, ohne dass sich der Lebensmittelpunkt der Familie veränderte. Die quasi aus dem Nichts heraus gestartete Recherche über das Leben im ehemaligen Landkreis Trautenau und speziell des Örtchens Kukus in Sichtweite des Riesengebirges hat inzwischen erstaunliche Ergebnisse erbracht und die Familiengeschichte in ein völlig neues Licht gesetzt.

Dabei halfen ihm nicht nur die im Internet frei zugänglichen Datenbanken und Texte, sondern auch der Einblick in Dokumente deutscher, polnischer und tschechischer Archive sowie die inzwischen zahlreich erschienenen wissenschaftlichen Forschungsarbeiten, die gerade die 1930erund 1940er-Jahre im Fokus haben und über Sprachgrenzen hinweg Ergebnisse zu Tage fördern, die so manchen familienbiographischen Hintergrund erhellten.

Die Familie blieb nach Ende des Zweiten Weltkriegs dauerhaft von Verlusten und Brüchen geprägt.

Die spätere Recherche des Referenten in den letzten Jahren zeigt deren Geschichte als exemplarisch für viele sudetendeutsche Biografien des 20. Jahrhunderts, stellvertretend für das Schicksal vieler sudetendeutscher Familien, deren Lebenswege durch politische Umbrüche, Anpassung, Schuld, Gewalt und Vertreibung geprägt wurden – und deren Nachwirkungen bis heute spürbar sind.

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