Den Wachen am Tor der Stadt St. Wendel muß die Kinnlade heruntergefallen sein, als am Morgen des 10ten Juli 1769 ein Mann auf einem großen Pferd um Einlaß bat. Er saß aus, als käme er direkt aus dem „Tausend und eine Nacht“ (natürlich der jugendfreien Ausgabe). Er suchte das Pfarrhaus auf und erzählte dem guten Pfarrer Heinrich Joseph Braun eine Räuberpistole: Er sei ein Prinz aus Palästina, dem zuhause die Ungläubigen Haus und Hof geraubt und Weib und Kind verschleppt hätten, und er sammle jetzt das Lösegeld für die beiden. Braun glaubte ihm jedes Wort und ließ ihn mit einem großzügigen Almosen seiner Wege ziehen.

Der Prinz gehörte zu dem religiösen Volksstamm der Maroniten, die im heutigen Syrien und es im späten Mittelalter römischen Mönchen ermöglicht hatten, auf dem Libanon zu siedeln und Klöster zu errichten.

Über diese frühneuzeitlichen Abenteurer, ihre Herkunft und ihre Umtriebe im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation erzählt der Regionalhistoriker und Genealoge Roland Geiger, der in einer Kirchenrechnung der Pfarrei seiner Heimatstadt den Eintrag des Pfarrers über das Almosen fand.

Der arabische Prinz von Palästina.

Ein Lügner, ein Hochstapler, ein Betrüger
oder doch – vielleicht – ein Prinz aus dem Morgenland?

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